Limitierte Auflage · 9 Flaschen · Mai 2026
Auf der Karte ist Teba (Málaga) ein Name, den man mit leichtem Zögern ausspricht: die Schneegebirge, mitten im Herzen Andalusiens. Das Paradox ist gewollt. Eine Stunde von Málaga entfernt erhebt sich das Massiv auf 1 919 Meter und behält seinen Namen Sommer wie Winter. Genau dort, am Südhang auf 555 Metern Höhe, kultiviert Almazara Terraverne seine Hojiblanca-Olivenbäume. Eine ungewöhnliche Höhenlage für Andalusien, wo die meisten Olivenhaine sich unter beständiger Sonne in der Ebene erstrecken. Hier ist das Klima anders: warme Tage, kühle Nächte, der Wind vom Atlas, der nachts herabsteigt. Und es ist dieser Kontrast — dieses thermische Atmen — der im Glas alles verändert.
Die Höhenlage, ein Detail, das keines ist
Eine Olive aus der Ebene und eine Olive aus mittlerer Höhe reifen nicht im gleichen Rhythmus. In der Ebene beschleunigt die anhaltende Wärme die Reifung: die Olive sammelt schnell Öl, verliert aber ebenso schnell ihre phenolischen Verbindungen — jene Moleküle, die dem AOVE seine edle Bitterkeit, seine Schärfe im Abgang und seine Stabilität über die Zeit verleihen. In der Höhe verlangsamt sich die Reifung. Die kühlen Nächte zwingen die Olive, ihre Aromen zu konzentrieren. Das Ergebnis lässt sich in der Ölmühle messen: mehr Polyphenole, mehr Chlorophyll, mehr aromatische Komplexität. Die Schärfe im Mund ist kein Mangel — sie ist die Signatur einer jungen, rechtzeitig gepressten Olive, reich an natürlichen Antioxidantien.
Auf 555 Metern liegt Almazara Terraverne knapp über der Höhenlinie, ab der dieser Wandel spürbar wird. Tiefer befindet man sich in der Ebene. Höher wird die Produktion marginal. Dieser Höhenbereich — 500 bis 700 m am andalusischen Südhang — ist eine kaum bekannte oleologische Nische, die von Öl-Sommeliers jedoch als eine der ausdrucksvollsten Spaniens anerkannt wird.
Hojiblanca: die Olive des Südens, in Frankreich verkannt
Die Hojiblanca ist die emblematische Olive Südspaniens. Ihr Name bedeutet wörtlich »weißes Blatt«, in Anspielung auf den silbrigen Schimmer der Blattunterseite im Sonnenlicht. Sie ist außerdem eine Doppelnutzungs-Olive: man gewinnt aus ihr Öl, aber auch Tafeloliven — jene fleischigen, bitteren, die man in Sevilla mit einem Glas Fino reicht. Als Öl hat sie einen Charakter, den Liebhaber italienischer AOVE nicht sofort wiedererkennen: weniger Milde, mehr Schnitt. Frisch geschnittenes Gras. Rohe Mandel. Eine leichte Note wilder Tomate. Und vor allem diese Schärfe in der Mundmitte, die überrascht und sich dann dehnt — ohne jemals aggressiv zu werden, wenn die Olive gut gereift ist.
Almazara Terraverne erntet Mitte Oktober, was man in Andalusien aceite temprano nennt — frühes Öl. Die Oliven sind noch grün, manchmal mit violettem Schimmer. Sie geben weniger Öl pro Liter (Ausbeute von 11 bis 13 %, gegenüber 18–20 % bei einer reifen Olive), aber sie liefern ein dichteres, aromatischeres, stabileres Öl. Die Pressung erfolgt kalt, in den Stunden nach der Ernte, ohne Zwischenstufen. Der endgültige Säuregrad fällt unter 0,2° — weit unter der gesetzlichen Schwelle von 0,8° für ein AOVE.
Drei internationale Preise und eine redaktionelle Entscheidung
Die Hojiblanca 555 von Almazara Terraverne hat in zwei Jahren erhalten: zwei Sterne bei den Great Taste Awards 2026 (Vereinigtes Königreich), Gold bei den Dubai International Taste Awards und einen Paris Honey Awards 2024. Drei Geografien, drei Jurys, ein Konsens: ein AOVE, das etwas zu sagen hat.
Wir haben sie ausgewählt, weil sie genau das verkörpert, was wir in unseren Katalog aufnehmen wollen: Öle, die sich nicht verstecken. Die ein Terroir, einen Erzeuger, einen Charakter haben. Und die uns nicht im Container erreichen — sondern flaschenweise, neun auf einmal, weil Almazara Terraverne eine kleine Almazara ist, die wenig und gut produziert.
Verwendung
Dieses Öl verdient es, getrunken zu werden. Gießen Sie einen Löffel in ein kleines Glas, erwärmen Sie es in der Handfläche, riechen Sie daran, kosten Sie es dann pur. Es ist der einzige Weg zu verstehen, was ein prämiertes AOVE leisten kann. Dann am Tisch: auf geröstetem Brot, auf reifen Tomaten mit Fleur de Sel, im Strahl über kaum gegartem Kabeljau oder zum Abschluss einer Paella vor dem Servieren. Roh, immer — nicht zum Kochen. Bei 24,90 CHF die Flasche von 500 ml ist es ein Öl, das man für jene Momente reserviert, in denen das Öl das Gericht ist.
Warum nur neun Flaschen?
Weil wir nach Entdeckung funktionieren, nicht nach Lagerbestand. Wir kaufen wenig, wir testen, wir bieten an, wir ersetzen. Wenn die Hojiblanca 555 in der Westschweiz ihr Publikum findet, wird sie zurückkehren. Andernfalls macht sie Platz für eine andere Entdeckung. Das ist unsere Art, einen lebendigen Katalog zu pflegen — und die Erzeuger nicht zu verraten, indem wir mehr bestellen, als wir verkaufen können.
→ Hojiblanca 555 entdecken (limitierte Auflage · 9 Flaschen)



